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YOGA: Warum der Hund herab schaut!

Die Wurzeln des Yogas lassen sich auf eine jahrtausendealte Tradition zurückzuführen. Yogische Erkenntnisse wurden über Generationen hinweg, zeitweise nur durch mündliche Überlieferung und im Geheimen weiter gegeben. Doch die tägliche Praxis bestätigt empirisch: was unserem Körper vor tausenden von Jahren gut tat, ist auch heute nicht veraltet. Im Gegenteil, Yoga ist im Trend! Unter anderem, weil so viele in ihrer täglichen Yoga-Praxis am eigenen Körper spüren wie gut Yoga tut. Aber warum?


Warum machen wir den herabschauenden Hund? Damit wir nach einigen Wochen des Übens merken, dass die Fersen doch den Boden berühren? Nein, sondern weil der Weg zu einer gesteigerten Flexibilität und einer verminderten Anspannung, unser Allgemeinbefinden im Positiven verändert.

Wir fühlen uns in unserem Körper wieder zuhause. Wir sind gestärkt und gleichzeitig entspannt. Aber warum entspannt es uns, einen Hund imitierend, den Po möglichst hoch und die Fersen möglichst tief zu strecken? Oder anders gefragt: Warum schaut der Hund herab?


Hierzu gibt es mehrere Erklärungsansätze:

Erstens wird in dieser Position die hintere, oberflächliche Faszienkette gedehnt. Diese Kette besteht aus Muskeln und Faszien und erstreckt sich als ein durchgehendes, funktionelles Kontinuum: ausgehend von unseren Augenbrauen wie eine Kapuze über den Schädel, entlang des Nackens und des gesamten Rückens, der Rückseite unserer Beine bis in die Fußsohlen.

Mit der Asana des herabschauenden Hundes dehnen wir also eine Struktur, welche durch unseren modernen Lebenswandel (viel Sitzen, wenig Gehen) bei den meisten von uns deutlich an Flexibilität verloren hat. Eine der Folgen dieses Verlusts an Flexibilität zählt zu den Volkskrankheiten unserer Gesellschaft: Rückenschmerzen!

Eine unflexible und verklebte hintere Kette bedeutet für den Körper eine permanente, latente Stauchung des Skeletts in seiner Längsachse. Im Alltag kann sich das durch ein Schweregefühl bemerkbar machen. So als hätten wir ständig einen Rucksack auf, müssten zu viel Last auf den Schultern tragen. Für die Wirbelsäule hat das besondere Auswirkungen: Durch die Stauchung erhöht sich nicht nur der Druck (z.B. auf die Bandscheiben), zusätzlich verändert sich auch die Biomechanik durch eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelgelenke. So als hätten wir einen zu engen Ganzkörperanzug an.

Dank der wissenschaftlichen Arbeiten von Robert Schleip wissen wir, dass diese Verklebung auch mikroskopisch sichtbar wird. Hier bilden sich durch mangelnde Bewegung sogenannte Cross-Links aus. Das heißt Quervernetzungen, welche das parallele Gleiten der Muskelzellen zueinander erschwert oder sogar verhindert. Der Körper verklebt auf zellulärer Ebene, ganz nach dem Motto: Wer rastet, der rostet!


Eine zweite mögliche Erklärung, warum wir auf allen Vieren stehen und den Allerwertesten in die Luft strecken so gut tut, ist ebenfalls auf mikrozellularer Ebene zu finden.

Studien haben gezeigt, dass Faszien z.T. aus Zellen bestehen, die weder reine Faszien- noch reine Muskelzellen sind, sondern eine Art Hybrid darstellen. Dieser kann sich je nach Milieu zu einer Muskel- oder Faszienzelle umwandeln!

Unter negativem Stress wird ein Zellbotenstoff ausgeschüttet (TGF-beta), welcher eine Verhärtung und Versteifung des Gewebes bewirkt, indem er in diesen hybriden Zellen eine Mutation von Muskel- zu Faszienzelle bewirkt. Wir bekommen Verspannungen.

Des Weiteren hat man festgestellt, dass sich die hybriden Zellen bewegen können und eine Tendenz haben, zu den Durchtrittsstellen von Nerven zu migrieren. Dort bilden sie durch ihr vermehrtes Vorkommen einen festen, manchmal sogar makroskopisch tastbaren Ring um den Nerv und bewirken dessen chronische Reizung. Das erzeugt Schmerzen und stellt einen Erklärungsansatz für die Entstehung von Trigger-Punkten dar.

Nun kommen diese hybriden Zellen in zwei Strukturen des Körpers besonders gehäuft vor: der Waden- und der Rückenfaszie. Diese beiden bilden ein Glied der oben beschriebenen Faszienkette, welche wir durch den herabschauenden Hund dehnen!

Eine weitere Art wie sich negativer Stress auf unsere Faszien auswirken kann, ist dass er die Bildung von hochkontraktilen Zellen (sog. Myofibroblasten) fördert: Die Faszie zieht sich zusammen!

Dies kann evolutionär als Versuch des Körpers betrachtet werden, sein Gewebe im akuten Stress (z.B. bei der Flucht vor dem Säbelzahn Tiger) gegen externe Krafteinwirkungen und Verletzungen zu schützen. Ausserdem werden diese Zellen bei frischen Wunden aktiv, indem sie für das Zusammenziehen und Schliessen des Gewebes zuständig sind. Im Säbelzahn Tiger Beispiel sinnvoll, im modernen Alltag oft Ursache für chronische Verspannung und nicht selten für Rückenschmerzen.



Fazit

Durch den herabschauenden Hund wirken wir also den negativen Folgen von Stress entgegen: Die erhöhte Spannung in der hinteren Kette wird durch yogisches Dehnen gesenkt. Dieser Prozess wird auf neuronaler Ebene unterstützt, indem Yoga sich mittels einer ruhigen und vertieften Atmung aktivierend auf das parasympathische Nervensystem auswirkt. Letzteres ist für die Steuerung von Entspannungs- und Regenerationsprozessen zuständig, sorgt für Stressabbau und senkt somit auch die TGF-beta-Ausschüttung sowie die Grundspannung in unseren Faszien. 


Ob das der Hund weiß?




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