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Sehnsucht pflegen

Im Vergleich zu anderen Kulturen wird in der westlichen Gesellschaft großen Wert auf das Individuum gelegt. "Mein Leben dreht sich um mich." Die Gemeinschaft steht häufig an zweiter Stelle. Bildlich gesprochen haben wir keine Herde mehr, keinen Stamm, manchmal sogar den wahren Kontakt zu unserer Familie verloren. Im Zentrum steht das Ich: meine Ausbildung, mein Beruf, mein Partner, meine Beziehungen zu Freunden und Verwandten.

Wie fühlt es sich an, diesen Fokus für einen Moment auf das Wir zu legen? Wer könnte mein Wir sein?


Eine eindrückliche Erfahrung des Wir kann ein Paar machen, das aus der Zweisamkeit durch den ersten Familienzuwachs, ein Kind, zur Drei wird.

Eine andere Erfahrung des Wir kann der Moment sein, in dem alles drumherum verschwimmt, keine To-Do-Liste im Kopf, keine Verpflichtung im Nacken... einfach dem Ball nach! Rennen, Schwitzen, Fluchen. Der Mitspieler, der Gegenspieler und nichts anderes, als dieses runde Ding mit einem gezielten Schuss ins Netz zu befördern, zählt. Koste es was es wolle! So kann es sich anfühlen, beim Moment des gemeinsamen Fussballspiels am Sonntagvormittag. Alle Amateure, jeder sein Leben, aber am Sonntag: ein Team. Der Stamm.

Was passiert, wenn wir uns zusammen tun und uns fragen, wie es dem Anderen geht? Uns selbst nicht zum Mittelpunkt des Lebens machen? Uns selbst nicht so ernst nehmen? Die westliche Gesellschaft pflegt das Ich noch in einer anderen Form: durch das Image. Wie wirke ich auf die Anderen? Ein Konzept unterstützt durch riesige Wirtschaftszweige, wie die Fitness- und Ernährungsindustrie, aber auch die Gesundheits- und Bildungsbranche. Wer hat dazu beigetragen, dass ich einen ordentlichen Abschluss bekommen habe? Soziale Anerkennung, ein fittes Aussehen oder Statussymbole?

Was macht es mit mir, wenn ich sage: "Ich mache beruflich..." oder welche Wörter kommen spontan beim Versuch, den folgenden Satz zu beenden: "Ich bin..." ?

Mein Name? Mein Alter? Mein Geschlecht? Mein Familienstand? Mein Beruf? Meine Gesundheit? Mein Gemütszustand?

Wir tragen ein Label. Manchmal wird es uns zugeteilt, aber am häufigsten geben wir es uns selbst. Die westliche Gesellschaft liebt Labels.

Wenn mein Beruf stimmt, meine Familie, mein Leben... bleibt immer noch ein Label, das omnipräsent ist: mein Look. Wie sehe ich aus? Gesund, jung, attraktiv, sportlich, einflussreich? Was immer das Adjektiv auch ist, die Gesellschaft in der wir leben, gibt uns täglich hunderte von Bildern in Form von Werbung. Geprägt durch gesellschaftliche Ideale und kulturelle Konditionierung.


Es entsteht ein Ich-Konzept, das wenig facettenreich ist, denn Attribute wie Krankheit, lebenskritische Momente, Tod, Angst, Alter und Armut kommen hier nicht vor. Da die wenigsten Leben diesem Ideal entsprechen, gibt es eine Lösung: die Selbstoptimierung! Ein Komplex aus Bemühungen, dem Bild zu entsprechen, das ich mir selbst zum Ziel gesetzt habe.

Man könnte jetzt fragen: Habe ich mir das Ziel tatsächlich selbst gesetzt? Woher kommt das Bild? Wer hat es geprägt? Gibt es mir Energie oder kostet es mich eher Anstrengungen? Gab es einen Moment im Leben, in dem ich meine Vorstellung vom optimalen Ich bereits erreicht hatte? Ist es überhaupt zu erreichen?

Aber hier ist die einzige Frage, die zählt: Tut es mir gut?

Trägt es zu authentischer, nachhaltiger Zufriedenheit für mich und mein Umfeld bei?

Das ist die Frage.

Und wie komme ich da hin? Es ist simpel, aber nicht einfach: beginne, Sehnsucht zu pflegen. Was bedeutet das? Die Frage ist, was bedeutet das für dich?

EINE ÜBUNG: nimm dir einen ruhigen Moment, z.B. nach der Atemübung und tue nichts, als mit den Gedanken deiner Atmung zu folgen. Spür in deinen Körper. Was nehme ich wahr? Welches Körperteil spüre ich am meisten? Was spüre ich? Den Kontakt meines Körpers zum Untergrund? Das Heben und Senken meines Brustkorbs? Irgendwo ein Kribbeln oder Ziehen? Wärme, Kälte?

Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um in diesem Moment anzukommen. Das bedeutet der jetzige Moment besteht nur noch, ausschließlich, aus Wahrnehmungen des jetzigen Augenblicks. Das ist Meditation.

Jetzt frage dich: Was macht mich nachhaltig und authentisch glücklich?

Antworte nicht kognitiv, keine Stimme aus dem Hinterkopf, sondern hör auf dein Bauchgefühl.

Fühlen, statt denken.

Es ist möglich, dass diese Frage am Anfang sehr schwer zu beantworten ist. Diese Frage muss kultiviert werden. Sie braucht Aufmerksamkeit. Sie muss sich gegenüber alten Fragen durchsetzen. Wenn ich mich ein Leben lang gefragt habe: "Was wäre vernünftig?" anstatt "Was tut mir gut?", dann erreiche ich vielleicht die vernünftigen Ziele der finanziellen Absicherung, der Familiengründung, der Karriere... was immer diese "Vernunft" in deinem Leben bedeutet. Die Frage ist: Bin ich glücklich dabei?

Falls ja, bist du einer der Menschen, der gelernt hat, Sehnsucht zu pflegen.




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